Mumienporträt der Aline
Römisch,
1. Hälfte des 1. Jahrhunderts
n. Chr.
Hawara,
Temperamalerei auf Leinwand,
Höhe 42 cm, Breite 32,5 cm,
Inv.-Nr. 11411
In der römischen Zeit von 30
v. Chr. bis 395
n. Chr. wurden in einem Teil von Ägypten, dem Faijum, die auf die Mumien zur Identifizierung des Verstorbenen aufgelegten Masken durch auf Leinwand oder Holz gemalte Porträts abgelöst. Es sind reale Darstellungen der Verstorbenen, die wohl schon zu deren Lebzeiten angefertigt wurden.
Dieses Porträt zeigt Aline, Tochter eines Herodes, die nach der Inschrift ihres Grabsteines im Alter von 35 Jahren verstorben ist.
Die Sitte, Porträts der Verstorbenen auf die Mumien zu legen, bleibt auf einen kleinen Teil Ägyptens beschränkt. Die etwa 750 bekannten Bildnisse sind die einzigen erhaltenen Zeugnisse der hellenistischen Porträtmalerei. Anhand der Tracht und Frisur der Dargestellten, die sich am römischen Kaiserhaus orientierte, sind die Porträts relativ genau zu datieren. Alines sorgsam geordnete Löckchenfrisur entspricht der Mode unter Kaiser Tiberius, in dessen 10. Regierungsjahr sie verstorben ist, so dass ihr Todestag im Jahr 24
n. Chr. liegen muss. Die Mumie der Aline wurde zusammen mit der ihres Mannes und denen ihrer drei Kinder gefunden. Während die Mumien ihres Mannes und der ältesten Tochter Mumienmasken tragen, wurde bei Aline und den beiden jüngeren Kindern die Variante der flachen Mumienporträts gewählt.