Ägyptisches Museum und Papyrussammlung Berlin

Sammlung:

 

Jenseitswelt

 
Mit seinem Tod betrat der Ägypter das Reich des ewigen Lebens. Um sich darauf vorzubereiten, errichtete er sich schon zu irdischen Lebzeiten ein mit allem Lebensnotwendigen ausgestattetes Grab und ließ sich einen Sarg anfertigen zum Schutz des Körpers für die Ewigkeit. Nachdem der Verstorbene vom Totengericht als "Seliger" entlassen wurde, beschritt er den Weg in eine neue, lichte und positive Welt, beherrscht von dem Gott Osiris, der in mythischer Zeit selbst den Tod besiegt hat und als Auferstandener ewig lebt.
  • Foto: Uschebtis
  • Foto: Uschebtikasten
  • Foto: Sarg
  • Foto: Schranksarg
  • Foto: Porträt
  • Foto: Mumientuch
  • Foto: Holzsarg
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    Uschebtikasten des Pa-en-Renenutet

    Neues Reich, 19. Dynastie, um 1200 v. Chr.
    Holz,
    Höhe 35,5 cm, Länge 40,5 cm
    Inv.-Nr. 733

    Die dem Verstorbenen ins Grab mitgegebenen Uschebti-Figürchen wurden in eigens für diese hergestellten Kästen aufbewahrt. Dies sollte ihre Zugehörigkeit zu ihrem Eigentümer sicherstellen und verhindern, daß sie für andere Verstorbene Arbeiten verrichteten. Der bemalte Holzkasten hat die Form eines dreifachen archaischen Schreins mit Tonnendächern und aufgehenden Seitenwänden. Die Dekoration nimmt auf die jenseitige Welt Bezug und zeigt den Verstorbenen vor einem Opfertisch kniend, den falkenköpfigen Gott Re-Harachte und die Göttin Isis anbetend. An den Seitenwänden sind die vier Horussöhne, die Schutzpatrone der Eingeweidekrüge dargestellt.
    Zur Sicherung des für den Toten höchst wichtigen Inhalts waren die Deckel des Kastens einst durch Schnüre, die um jeweils ein Paar der pilzförmigen Knöpfe geschlungen und in kleinen Nilschlammbatzen versiegelnd vereinigt wurden, verschlossen.
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    Schranksarg des Padichonsu in Form einer Kapelle

    Römisch, 30 v. Chr. - 300 n. Chr.
    Abusir el-Meleq,
    Holz,
    Höhe 250 cm,
    Inv.-Nr. 17039, 32

    Herodot, der um 450 v. Chr. Ägypten besuchte, berichtet von dem Brauch, die Mumien verstorbener Angehöriger eine Zeitlang in Schränken im Hause aufzubewahren. Dieser Brauch hat einen neuen Sargtyp hervorgebracht, den "Schranksarg", der vor allem in der römischen Kaiserzeit sehr beliebt wurde.
    Der Sarg hat die Form einer Götterkapelle, oben abgeschlossen von einem Gesims aus Rundstab und Hohlkehle mit aufgemalter geflügelter Sonnenscheibe. Die Bekrönung bestand ursprünglich aus 18 Uräusschlangen. Der untere Teil der Sargfront war ehemals durch eine Wand verschlossen, im oberen Teil saß eine zweiflügelige Tür, beide sind im Zweiten Weltkrieg verloren gegangen. Der Tote wurde wie ein Götterbild behandelt: bei Festen wurde er durch Öffnen der Tür in die Gemeinschaft der Lebenden geholt. Die Seitenwände und die Rückseite sind mit Darstellungen von Göttern und Szenen des Totenglaubens bemalt.
    Die ursprünglich zu diesem Sarg gehörige Mumie ist heute verloren; an ihrer Stelle ist jetzt die Mumienhülle einer Frau, die 900 Jahre früher gelebt hat, eingestellt.
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    Mumientuch einer Frau

    Römisch, 2. Jahrhundert n. Chr.
    Leinen,
    Höhe 182 cm,
    Inv.-Nr. 11652

    Seit dem 3. Jahrtausend v. Chr. gibt es in Ägypten die Mumifizierung, die den Körper für die Seelen des Verstorbenen erhalten sollte. Zur Kennzeichnung wurden ab dem Mittleren Reich (um 2000 - 1750 v. Chr.) Masken als Abbilder der Verstorbenen auf die Mumie gelegt. Die Griechen und Römer übernahmen die altägyptischen Bestattungsriten, wandelten sie aber in einigen Formen ab. So wurde die Mumienmasken durch Mumienporträts oder Leichentücher ersetzt, die den Verstorbenen in Lebensgröße abbilden.
    Tracht und Frisur der auf diesem Tuch dargestellten Frau zeichnen sie als Römerin der mittleren Kaiserzeit aus. Motive ägyptischer Jenseitsvorstellungen sind die unten aufgereihten vier Horussöhne als Schützer der Kanopenkrüge, in denen die Eingeweide der Verstorbenen beigesetzt wurden, und die oben links sitzende große Fresserin, von der nur noch die Krokodilsschnauze erhalten ist. Die große Fresserin, ein Wesen bestehend aus Krokodilskopf, Löwenvorder- und Nilpferdhinterteil fraß die Seele des Verstorbenen, wenn dieser beim Jenseitsgericht keinen guten Lebenswandel vorweisen konnte. Während die große Fresserin bei altägyptischen Darstellungen nie in Aktion gezeigt wird, da jede Abbildung den Ägyptern als real galt und man daher Gefahr lief, ein solches Schicksal zu erleiden, sieht man hier, wie sie die armen Seelen von Verurteilten - dargestellt als kleine Schattenwesen - verspeist.
Last updates: text (09.03.10), pictures (06.02.10)
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